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WPS in der Konfliktbewältigung

In der Konfliktbewältigung ist der methodische Prozess der Wahrnehmungspositionen eines der wirksamsten Mittel, um Konflikte zu bearbeiten und einen Schritt in Richtung Lösung zu machen. Er wird geleitet von dem Gedanken, dass wir in konflikthaften Situationen dazu neigen, unsere Wahrnehmung einzuschränken und nur noch auf negative Aspekte zu fokussieren.

Wir sind dann z.B. „außer uns” oder „blind vor Wut“, und so gehen uns wichtige Informationen verloren. Probleme schaukeln sich hoch.

Interessanterweise ist Konfliktpotenzial besonders dort anzutreffen, wo Menschen in Kontakt sind, die sich eigentlich mögen und unter anderen Umständen gut miteinander auskommen würden.

Diese Erkenntnis beinhaltet einen außergewöhnlichen Lösungsschlüssel, der sich nach folgendem Vorgehen anwenden lässt:

Es werden 4 aufeinander aufbauende Runden durchlaufen und dabei jeweils die Sichtweisen der 3 Wahrnehmungspositionen eingenommen. Dadurch eröffnet sich der Zugang zu verborgnen Informationen und eine bereicherte Wahrnehmung mit neuen Lösungsmöglichkeiten.

Die Kunst liegt in der Bereitschaft, dies auch zu wollen, d.h., die Lösung liegt in den Formulierungen der 4 Runden.


Die 3 Positionen:

Tipp:
Bei der 3. Wahrnehmungsposition empfiehlt es sich, der Person nicht nur Neutralität, sondern auch eine tiefe Weisheit (!) zu unterstellen, daher werden weise Impulse aus den inneren Einsichten zugänglich gemacht.

1. WPS:
Die Ich-Position

Auf dieser Position sind wir völlig assoziiert in unserem eigenen Erleben. Wir nehmen die Welt mit unseren Wertvorstellungen und unseren Überzeugungen wahr. Es gibt kaum eine Unterscheidung zwischen Beschreibung und Bewertung.

2. WPS:
Die Du-Position

Auf dieser Position versetzen wir uns ganz und gar in diese Person und betrachten die Welt assoziiert aus ihrem Blickwinkel. Wie sieht die Welt aus ihrer Perspektive aus, wie hört und fühlt sich das an?

3. WPS:
Der neutrale Dritte

Diese Sichtweise ist die einer neutralen, persönlich unbeteiligten Person. Sie ist dissoziiert (emotional unbeteiligt, nur sehen und hören). Auf dieser Position findet keine Bewertung statt!

Wenn wir dieser Person neben Weitsicht und Neutralität auch Weisheit zutrauen, dann wird das Format besonders kraftvoll, da es dann aus dem inneren Zugang zum höheren Sein schöpft. Diese Erkenntnis kann dann in der Abschlussreflexion genutzt werden und stärkt nachhaltig das Selbstwertgefühl.

  • Ist jemand z.B. sehr in der 1. WPS verwurzelt, so wird diese Person zwar meist gut für sich sorgen und die eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund stellen können, aber kaum in der Lage sein, Empathie für andere zu empfinden (Egoismus).

  • Eine Person, die vorwiegend in der 2. WPS ist, hat zwar hohe soziale Kompetenzen, sie wird sich aber auch ständig mit den Augen anderer sehen und ihre eigenen Bedürfnisse und Standpunkte zurückstellen (Altruismus).

  • Eine Person, die überwiegend in der 3. WPS ist, hat zwar den „nötigen Abstand”, hat aber wenig Zugang zu den eigenen Emotionen und ist in der Gefahr, „ein vom Leben abgetrennter“ Beobachter zu sein.

Die 4 Betrachtungs-/Fragerunden:

Besondere Aufmerksamkeit kommt dem Verständnis aus den folgenden 4 Betrachtungsrunden zu …
hier formuliert aus der Sicht der beiden assoziierten Positionen.
Bei der dissoziierten (emotional unbeteiligten) Position (WPS 3) werden die Fragestellungen entsprechend angepasst.

1.

Was ist das grundsätzlich Positive an der Beziehung, wenn der Konflikt nicht bestehen würde?

2.

Was tust du, wie erlebst du das, was fühlst du dabei?

3.

Welche positive Absicht steckt hinter deinem Verhalten?

4.

Was wünscht du dir, was könntest und würdest du dafür einbringen?